True Denim - Serge de Nimes

Idee: Ritchie Staringer & Kai Lipphardt

Einleitung

Kaum ein Bekleidungsstück hat den modischen Gezeiten über Jahrzehnte derart trotzen können wie die Jeans.

Die Faszination für den Stoff, der seinen Namen der Stadt Nimes im Süden Frankreichs verdankt - Serge de Nimes / Webstoff aus Nimes, ist seit seiner Entstehung ungebrochen. 1870 von Levi Stauss als robuste Nietenhose für die Schürfarbeiter der Gold- und Silberminen in Kalifornien entwickelt, löste er in den 1960er Jahren durch die damaligen Film-Idole James Dean und Marlon Brando eine Mode-Revolution aus.

Die steigende Beliebtheit und stetig hohe Nachfrage führte zwangsläufig zur industriellen Massenproduktion und so wurde aus der robusten Arbeiterhose, hergestellt aus schwerem, derbem, unbehandeltem Baumwollstoff, ein inflationärer Modeartikel. Gewaschen, zerschlissen, gebleicht und vor allem eins: Billig in der Herstellung. 

Doch seit einigen Jahren findet eine Rückbesinnung statt. Müde geworden von künstlich erzeugter Obsoleszenz widmen sich Denimfabrikanten und Hersteller wieder mit Hingabe dem Stoff, verhelfen ihm so zu seiner Ursprünglichkeit und finden weltweit begeisterte Abnehmer.

Okayama Denim Mills

Die langjährige Tradition bei der Herstellung japanischer Arbeitsbekleidung machte die Gegend in und um Okayama zum perfekten Produktions-Standort, als in den 1960Jahren der Denim-Boom von Amerika nach Japan überschwappte.

Der Heisshunger der jungen Japaner nach westlicher, vor allem amerikanischer, Subkultur war enorm und da die große Nachfrage nach Jeans auf Dauer durch Importe nicht zu befriedigen war, boten sich die historischen gewachsenen Produktionsstätten in Okayama an und wurden so zu Japans „neuer“ Denim-Schmiede.

Während man sich in den USA schon wenige Jahre später von den alten Herstellungsmethoden abwandte und die Industrie vor allem auf Profitsteigerung zu Lasten der Qualität setzte, wird in Japan bis heute Denim in alter Tradition hergestellt.

Japanischer Denim gilt als der Beste in der Welt. Und die alten Toyoda-shuttle-looms - die Königinnen der Webstühle -, leisten bis heute exzellente Arbeit.

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Naked & Famous Denim

Das 2008 gegründete und in Montreal beheimatete kanadische Label um Firmengründer Brandon Svarc widmet sich dem Thema Raw Denim in spielerischer, teils sogar künstlerischer Weise.

Neben der , mit 32 Unzen, schwersten Denimhose der Welt, die unbemannt allein im Raum zu stehen vermag, befinden sich neben einfachen Standardausführungen, teils ungewöhnliche Modelle im Sortiment:

Glow in the dark - Die Hose die im dunklen leuchtet

Scratch-n-Sniff Rasperry - mit Erbeergeruch

Kevlar blend- Die wasserabweisende Biker-Jeans

und Denimstoffe, in denen z.B. Ananasfasern oder Hanf verwebt worden sind.

Neben der ausgeprägten Leidenschaft Saison um Saison immer wieder mit neuen, ausgefallenen Stoff- Farb- und Webkombinationen zu überraschen, legen Svarc und sein Partner Bazar Trinos vor allem grossen Wert auf Qualität. Die in den Denim-Mühlen in und um Okayama eigens für das Label gefertigten Stoffe, werden in Kanada zu Hosen, Jacken und Hemden weiter verarbeitet. Die hohe Qualität zu vergleichsweise moderaten Preisen lassen sich durch schlichte und einfache Schnitte und das Weglassen aufwendiger Details realisieren.

Roy Denim

Die kleinste Jeans-Manufaktur an der amerikanischen Westküste hat Ihren Sitz in Oakland - Kalifornien. Roy Slater, Labelgründer und Firmeninhaber ist auch der einzige Mitarbeiter.

In der ehemaligen Lagerhalle lassen sich etliche alte Nähmaschinen und diverse Ballen Denim-Stoff bestaunen von denen uns Roy, auch ungefragt, bereitwillig vorschwärmt.

Jede Jeans wird in Handarbeit hergestellt. Zuschneiden, Bügeln, Knopflöcher paspeln. Jede Naht, jeder Stich wird mit leidenschaftlicher Zuwendung von ihm ausgeführt. Selbst das Lederpatch wird selbst zugeschnitten, gebrandmarkt und aufgenäht.

Aufgrund der kleinen Auflage, vertreibt Roy seine Stücke hauptsächlich in Eigenregie

Heritage Kultur

Heritage-Geschäfte sind mitlerweile in fast jeder größeren Stadt zu finden. Hier wird, mit hochwertigem Produktsortiment, ein bewusster Kontrapunkt zur Kurzlebigkeit industrieller Massenware gesetzt.

Neben handgefertigten Lederportemonaies aus Kleinst-Manufakturen, englischer Bartwichse und Gin aus der Nachbarschaft findet man hier vor allem Denim und leidenschaftliche Gespräche über das blaue Gold.

Hier wird gefachsimpelt, wie sich die besten Fading-Ergebnisse erzielen lassen. Wie lange die Hose getragen werden sollte bevor sie das erste mal gewaschen wird. Oder ob man sie doch lieber erst in der Badewanne einweicht (soakt).

Man tauscht sich aus, gibt sich Tipps & Hinweise über neu gegründete Denimlabels, Sondereditionen und rechtfertigt, mit einem Lächeln im Gesicht, die investierten 300 € für die 21 Unzen schwere Neuanschaffung, an der man partout nicht vorbeikam.

Die Beigesterung und Leidenschaft für langlebige und qualitativ hochwertige Produkte schlägt nicht nur hierzulande immer größere Welle. Uwe van Afferden, selbst Geschäftsinhaber aus Düsseldorf, lässt sein 2012 erstmals erschienenes "Magazin für Herrenkultur" - The Heritage Post - mittlerweile ins englische übersetzten.

Mike Harris - Denim Archäologe

Eigentlich sind es nur Fetzen. Niemand kann diese Hosen noch tragen. Sie sind staubig, zerschlissen, und den meisten fehlt ein Bein oder mehr. Und doch sucht Mike Harris, aus Orange County in Kalifornien wie besessen nach ihnen. Er findet sie in alten Minen, wo er mit Pickel und Schaufel nach ihnen gräbt. Dort herrschen perfekte konservatorische Verhältnisse: Staubtrocken bei durchschnittlich 20 Grad. Hunderte gibt es von diesen verlassenen Stollen und Schächten in Nevada, Arizona, Kalifornien – überall da, wo vor über 120 Jahren Gold- und Silbergräber ihr Glück suchten und nur wenige es wirklich fanden. Die meisten hinterließen nur Löcher in der kargen Wüstenlandschaft und darin jede Menge, Schnapsflaschen, Revolver, Werkzeug und eben auch ihre abgetragenen Jeans. 

Mike Harris ist der Indiana Jones der kalifornischen Jeansgeschichte. Seine Sammlung an tausenden historischen Denims ist weltweit einzigartig und ein Vermögen wert. 15 000 Dollar legen Kenner für eine echte Levi’s aus den 1870ern auf den Tisch. 2010 hat er zusammen mit seiner Frau ein Buch veröffentlicht, das inzwischen als Standardwerk gilt.

Stundenlang kann er über Denim referieren. Darüber, wie Silberschürfer ihre Jeans immer wieder flickten, wie sie mit den Resten ihre Dampfmaschinen abdichteten oder ganze Hosenbeine in die Bohrlöcher für die Dynamitstangen stopften, um die Sprengkraft der Explosion zu erhöhen. Was auch erklärt, warum Harris Funde so selten unversehrt sind.

In bestimmten Minen, könnte er die nächsten zwanzig Jahre verbringen. Viele sind kilometerlang. Angst vor Konkurrenz hat er nicht. Sein Vorsprung an Erfahrung ist zu groß. »Ich sehe einer Mine an, ob man dort was finden kann oder nicht. Und ich finde auch dort was, wo andere scheitern.«

Denim - Liebe, Leidenschaft, Hingabe

und die Neugierde was diese Faszination auslöst, sollen als zentrales Element Filmbestimmend sein.

Was ist der Antrieb jedes Einzelnen? 

Woher kommt das Selbstbewusstsein eines Herstellers 400 € und mehr für eine Jeans zu verlangen und wieso sind diese wiederum innerhalb kürzester Zeit vergriffen.?

Wieso trägt man freiwillig eine Jeans 2 Jahre, jeden Tag, ohne sie auch nur einmal zu waschen?

Fragen auf die wir in dieser Dokumentation antworten finden werden.